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Hans
Christoph Hertlein
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Schaltwerk
und Verwaltungsgebäude
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Arbeiten von Hans C. Hertlein
Aufnahme Juli 2002; Foto: Karl H. P. Bienek, Berlin
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Hans C. Hertlein
Aufnahme Anfang 1950er Jahre
Foto: Unbekannt
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Der Architekt Hans Hertlein war
keineswegs "nur" ein "Industriearchitekt":
Er war vielmehr ein herausragender Baumeister des Industrie-, Wohnungs- und
Sozialbaues und einer der führenden Architekten des 20.
Jahrhunderts. Während sich seine Industriebauten mit ihrer
konstruktiven Klarheit und Sachbezogenheit eng an den Stil
des Neuen
Bauens anlehnen, sind seine übrigen Objekte
dem traditionellen Städtebau verpflichtet. Hertlein hat ab etwa
seinem 30. Lebensjahr an bis zu seinem Lebensende nur für einen Auftraggeber gearbeitet: Die Firma Siemens.
Hans Hertlein wurde am 2. Juli
1881 in Regensburg geboren. Er studierte in München,
Berlin und Dresden. Seine Lehrer waren unter anderem Richard
Riemerschmid (1868-1957) und Fritz Schumacher (1869-1947);
Schumacher war ein bekannter Vertreter der sachlich bestimmten
Materialarchitektur unter schöpferischer Wiederbelebung des
Backsteinbaus und Riemerschmid ein bedeutender Vertreter des
Jugendstils - beide haben Hertleins architektonische Zukunft
maßgebend beeinflusst. 1909 begann Hertlein seine berufliche Karriere
bei den staatlichen Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerken
und war danach als Regierungsbaumeister in München an
verschiedenen süddeutschen Objekten tätig. Im Juli 1912
trat er in Berlin als Bauleiter in die Bauabteilung der Siemens &
Halske AG ein, war von 1915 bis 1951 deren Direktor sowie von
1924 an auch Leiter der Bauabteilung der Siemens-Schuckertwerke
GmbH (siehe Siemens-Bauabteilung).
Auch nach seinem offiziellen Austritt aus dem Unternehmen blieb
er bis zu seinem Tode in allen wichtigen Baufragen in beratender
Stellung verbunden.
Zahlreiche Ehrungen würdigten
Hans Hertleins herausragendes Können
und sein Werk bereits zu Lebzeiten. So erhielt er die
Ehrenmitgliedschaften in der Preußischen Akademie für Bauwesen
und der Akademie der Künste (1929), die Ehrenpromotion durch die
Technische Hochschule Hannover (1931), die Ernennung zum
ordentlichen Professor für Entwerfen, Baukonstruktion und
Industriebau an der Technischen Universität Berlin (TU; von 1946
bis 1956), die Aufnahme in die West-Berliner Akademie der Künste
(1955), die Ernennung zum Ehrensenator der TU (1957), das Große
Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1957). Hertlein starb
im Alter von fast 82 Jahren am 13. Juni 1963 in Mammern am Bodensee
(Schweiz).
Hans Hertlein hat anfangs die von
seinem Vorgänger Karl Janisch
(1870-1946) vorgegebene Architektur der Siemens-Werksbauten übernommen
und teilweise weitergeführt, z.B. das
Verwaltungsgebäude der Siemens AG Berlin
an der Nonnendammallee,
mit dem er seine fachliche Karriere begründete. Auch die von
Janisch entwickelte flexible und variable Flächen- und
Raumnutzung seiner Industrieobjekte hat er als Chefarchitekt des
Unternehmens als wesentlichen Planungsgedanken beibehalten und
ausgebaut. Erst zum Ende der 20er Jahre hat Hertlein dann seinen
eigenen Baustil voll zur Geltung gebracht, was sich äußerlich
z.B. an den glatten Gebäudekuben mit ihren durchdringenden und
unterschiedlich hohen Flügelbauten und hoch aufsteigenden
Treppentürmen widerspiegelt.
Und obwohl kein Städtebauer hat
Hans Hertlein mit der von ihm gestalteten Industriearchitektur
der noch im Aufbau begriffenen Siemensstadt für seine
Bewohner einen identifikationsfähigen Ausdruck geschaffen, der
auch heute noch Bestand hat. Diese Prägung erfolgte ab Anfang der 20er Jahre
durch die architektonische Typisierung der
Geschossbauten, die die "Fabrikstadt" und die von Siemens
initiierten Teile der "Wohnstadt"
Siemensstadt stilistisch entscheidend formten. Des
Weiteren hat Hertlein durch viele Industriebauten für Siemens außerhalb
Berlins in Deutschland und im Ausland (z.B. Buenos Aires,
Budapest, Bukarest, Den Haag, Mailand, Wien) maßgeblichen Einfluss
auf die sachbezogene Industriearchitektur ausgeübt, die bis
heute Bestand hat. Hertleins Werk, über den kein Lehrbuch
Auskunft gibt (siehe auch hier),
steht im Vergleich mit dem des großen Architekten und Designer
Peter Behrens (1868-1940), der unter anderem für die AEG
- dem großen Konkurrenzunternehmen von Siemens -, tätig war,
in nichts nach.
Dagegen folgen die von Hans
Hertlein für Siemensstadt erstellten Wohnungsbauten wie die Siedlung
Heimat (1930 bis 1935) und die Siedlung
Siemensstadt (1922 bis 1932) sowie
praktisch alle hier von der Firma Siemens initiierten
Sozialeinrichtungen durchweg dem herkömmlichen traditionellen
(konventionellen) Bauen, dem so genannten Deutschen Baustil, was wohl in
seiner Heimatverbundenheit mit Süddeutschland begründet sein
mag. Dessen ungeachtet gelang Hertlein hervorragend die
architektonische Verbindung zu
der in unmittelbarer räumlicher Nähe zuvor (1929 bis 1931)
errichteten Großsiedlung
Siemensstadt zu seiner Siedlung Heimat.
Hans Hertlein war auch nach
seinem Ausscheiden aus der Leitung der Siemens-Bauabteilung bis
zu seinem Lebensende Berater in Baufragen für das Unternehmen.
Doch während vielen mehr oder weniger maßgeblich an der
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reputation von Siemens
und der Siemensstadt Beteiligten öffentliche
Anerkennung z.B. durch Benennung von Einrichtungen, Gebäuden,
Straßen zuteil wurde, ist dies bei Hertlein bisher nicht zum Ausdruck gebracht worden.
Literatur
Wolfgang Ribbe, Wolfgang Schäche: Die
Siemensstadt [...]. Ernst & Sohn, Berlin 1985
Jochen Boberg, et al. (Hrsg.): Die Metropole -
Industriekultur in Berlin [...]. C. H. Beck, München 1986
Karl H. P. Bienek: Siemensstädter Lexikon -
Arbeiten in Siemensstadt. ERS, Berlin 1993
© Karl H.
P. Bienek -
Berlin 2000 -
Stand: 15. Februar 2008 |