DIE SIEMENSSTADT - Ein Lexikon der Siemensstadt in Berlin -

Nonnendamm

Der Nonnendamm gehört nur mit seinem kurzen westlichen Teilstück im Bereich des heutigen Werks für Übertragungssysteme der Firma Siemens zu Siemensstadt; der Rest liegt auf Charlottenburg-Wilmersdorfer Gebiet. Ehemals war der Nonnendamm Teil der Verkehrsverbindung, die von Magdeburg kommend ostwärts als Bistums- und Fernhandelsstraße zur ältesten Stadt Polens, dem Wallfahrtsort Gnesen, führte. Bei Spandau überschritt der Nonnendamm die Havel (durch Berlin fließender Nebenfluss der Elbe), führte als sandiger Feld- und Wiesenweg südlich der Zitadelle entlang, lief auch damals schon unter der Bezeichnung "Nonnendamm" am nördlichen Ufer der Spree durch die Ländereien des 1239 gestifteten Spandauer Benediktinerinnen-Klosters (daher die Namensgebung der Wegverbindung), führte bei Paulstern an den so genannten Weißen Sandbergen vorbei, anschließend am Südrand der Jungfernheide durch die Nonnenwiesen am so genannten Hühner-Werder, weiter am Charlottenburger Schlossgarten entlang, durch Moabit bis zum Spandauer Tor in die frühere Doppelstadt Berlin und Cölln, über Köpenick bis nach Frankfurt/Oder und Posen, wo er in Gnesen endete. (Berlin ist aus dem Wendischen abgeleitet und bedeutet Wehr. Cölln ist das gleiche Wort wie das lateinische collis, was Hügel, Bodenerhebung bedeutet, und nichts mit dem rheinischen Köln bzw. Colonia zu tun hat.).

Nonnendamm,
führend zum Blockwerk I (links)
und Wernerwerk-Hochhaus (rechts)
in Richtung Ohmstraße (siehe Text)
Aufnahme 1930er Jahre
Foto: Unbekannte Postkarte

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Bis zur Anlage der Nonnendammallee, einem Teilstück des Nonnendammes, ab dem Jahre 1906, sowie dem Bau des Siemensdammes ab 1913 war der Nonnendamm die einzige Land- und Straßenverbindung zwischen Siemensstadt und Berlin und damit auch die wichtigste Verkehrsanbindung der Firma Siemens für ihre Siemensstädter Niederlassungen von und nach den damaligen Städten Spandau, Charlottenburg und Berlin (siehe Chronik). 1905 befestigte Spandau ein etwa 1,5 km langes Teilstück des Nonnendammes, die Straße 45, mit einem 5,5 m breiten Kopfsteinpflaster, das im östlichen Bereich bis heute teilweise noch vorhanden ist. 1906 versah Siemens den durch ihr Grundstück verlaufenden Abschnitt, die Straße 43 (später Teil des Popitzweges), mit einer Betonfahrbahn. Bis 1925 führte der Nonnendamm diagonal über das Gelände des Wernerwerk-Hochhauses und mündete an der Ohmstraße in den Siemensdamm ein.

Am 1. November 1960 wurde das auf dem Werksgelände der Firma Siemens verlaufende Teilstück des Nonnendammes (etwa am erwähnten Werk für Übertragungssysteme entlang) bis zum Nikolaus-Groß-Weg entwidmet. Für den öffentlichen Verkehr blieb nur der weiterführende Abschnitt an der Hauptfeuerwache Charlottenburg-Nord vorbei bis zur Charlottenburger Schleuse bzw. Mörschbrücke am Tegeler Weg offen. Dieser Straßenverlauf ist gegenwärtig aufgrund der Baumaßnahmen im Zuge des Havelausbaues für das Verkehrsprojekt 17 mit seinen Erweiterungs- und Umbauten im Fluss-, Ufer- und Schleusenbereich teilweise geändert und etwa an der Charlottenburg-Wilmersdorfer Schleuse unterbrochen.

Literatur
Wolfgang Ribbe, Wolfgang Schäche: Die Siemensstadt [...]. Ernst & Sohn, Berlin 1985
Karl H. P. Bienek: Siemensstädter Lexikon - Straßen in Siemensstadt. ERS, Berlin 1992
Joachim Jauch: Wegweiser zu Berlins Straßennamen - Spandau. Edition Luisenstadt, Berlin 1996

© Karl H. P. Bienek - Berlin 2000 - Stand: 19. Juli 2008


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