DIE SIEMENSSTADT - Ein Lexikon der Siemensstadt in Berlin -

Carl Friedrich von Siemens

Carl Friedrich von Siemens
Aufnahme 1922
Foto:
 Siemens-Archiv München;
2002

Carl Friedrich von Siemens
Aufnahme 1931
Foto: Erinnerung an die 
Trauerfeier für
Carl Friedrich von Siemens
.
Elsnerdruck, Berlin 1941

Carl Friedrich von Siemens
Aufnahme 1940
Foto:
 Siemens-Archiv München;
 2002

Carl Friedrich von Siemens wurde am 5. September 1872 als dritter und jüngster Sohn von Werner von Siemens (1816-1892) in der damaligen Stadt Charlottenburg geboren. Nach dem Tode seines Bruders G. Wilhelm (1855-1919) übernahm er Ende 1919 als Aufsichtsratvorsitzender der Stammgesellschaften Siemens & Halske AG und Siemens-Schuckertwerke GmbH (dessen Vorsitzender er seit 1912 war) die Führung des Unternehmens, das sein Vater zusammen mit Johann Georg Halske (1814-1890) im Jahre 1847 in Berlin gegründet hatte. Carl Friedrich von Siemens war einer der bedeutendsten deutschen Konzernchefs der 1920er und 30er Jahre und darüber hinaus eine herausragende Persönlichkeit. Er starb am 9. Juli 1941 im Heinenhof bei Potsdam. Seine Trauerfeier am 14. Juli zeigte noch einmal die hohe Wertschätzung, die er bei seinen Untergebenen, Mitarbeitern und Geschäftspartnern genoss.

Ein Nachruf in der Mitarbeiterzeitschrift Siemens-Mitteilungen aus dem Jahre 1952 erinnert, an das "was dieser Mann unserem Hause gewesen ist", unter anderem:
"Als letzter Sohn Werner Siemens´ hat er das Werk seines Vaters mit fester und starker Hand in diesen 2 Jahrzehnten organisatorisch, wirtschaftlich und finanziell zu seiner stolzesten Blüte entwickelt und seine Grundlagen innerlich und äußerlich so gefestigt, daß es allen Stürmen und Verlusten des Zusammenbruchs 1945, wenn auch mit schwersten Einbußen, widerstanden hat. [...] Ein gütiges Geschickt hat es ihm erspart, den Zusammenbruch unseres Vaterlandes und seine Folgen für unser Haus zu erleben [...] In tiefer Dankbarkeit gedenken [...] wir [...] die Stärke seines Wollens, die Weite seines Wissens und Könnens, seine vornehme Bescheidenheit und die Größe seines lauteren Charakters [...]"

Unter Carl Friedrich von Siemens erfuhren vor allem die Siemensstädter Siemens-Werke eine beträchtliche entwicklungs-, anlagen- und produktionstechnische Ausweitung, was sich auch vorteilhaft auf die kommunale Entwicklung der im Wachsen begriffenen Siemensstadt auswirkte. Ihm zu Ehren ist in Siemensstadt die "Carl-Friedrich-von-Siemens-Oberschule" benannt.

Carl Friedrich von Siemens war im Jahre 1918 an der Gründung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie beteiligt, wurde dessen Präsidialmitglied, gleichzeitig Vorsitzender seiner Fachgruppen, und später bis 1933 Vorsitzender des Zentralverbandes der Deutschen Elektrotechnischen Industrie. Von 1920 bis 1924 war er zudem als Abgeordneter der 1918 gegründeten Deutschen Demokratischen Partei Mitglied des Deutschen Reichstages. Des Weiteren bekleidete er von 1923 bis 1933 das Präsidentenamt des (vorläufigen) Reichswirtschaftsrates, in dessen Stellung er 1927 die deutsche Delegation bei der Weltwirtschaftskonferenz in Genf erfolgreich leitete. 1927 führte er die von seinem Vater bereits 1892 vorgesehene, aber durch dessen Tod nicht mehr verwirklichte Umsatzbeteiligung der Beschäftigten ein. Von seinen zahlreichen Ehrungen und Mitgliedschaften in weiteren Gremien seien hier nur die Ehrendoktorwürden der Technischen Hochschule München (1921) und der Universität Halle/Saale (1927), die Präsidentschaft der Deutschen Reichsbahn (1924-1934), der Ehrensenator der Technischen Hochschule Braunschweig (1929) und posthum als Namensgeber einer am 30. Oktober 1958 gegründeten Siemens-Stiftung hervorgehoben.

Carl Friedrich von Siemens war ein unermüdlicher Vertreter der industriellen Rationalisierung und Normung. Unter seiner fachlichen und organisatorischen Leitung sowie durch sein geschicktes Management errang das Unternehmen, das im 1. Weltkrieg praktisch alle Auslandsbesitze verloren hatte, schon Anfang der 1920er Jahre erneut Weltgeltung. Durch seine geschickten Firmenkäufe und -neugründungen sorgte er in seinem Bemühen um die "Einheit des Hauses Siemens" auch für dessen Internationalisierung ("Haus Siemens" ist eine von Carl Friedrich von Siemens geschaffene Hilfskonstruktion, die Einheit des Unternehmens Siemens nach dem 1. Weltkrieg betreffend.). Nach dem Leitsatz "Nur die Elektrotechnik, aber die ganze Elektrotechnik" trennte er sich von branchenfremden Produktionszweigen wie dem Automobilbau (siehe Automobilwerk, Protos). Dafür stärkte er innovative Geschäftsfelder und erweiterte die Unternehmen um zahlreiche Sparten, die noch heute zu den Kernbereichen gehören wie die Medizintechnik, Telekommunikation, Mess- und Regeltechnik, der Kraftwerksbau.

Bezüglich den oft diskutierten Fragen über eine eventuelle Nähe von Führungskräften der Firma Siemens zur nationalsozialistischen Reichsregierung wird Carl Friedrich von Siemens ziemlich einheitlich als deren Gegner beschrieben (siehe Drittes Reich). So hat er z.B. die Eingabe führender deutscher Wirtschaftsrepräsentanten Ende 1932 an den Reichspräsidenten Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847-1934), die indirekt auf die Ernennung Adolf Hitlers (1889-1945) am 30. Januar 1933 als Reichskanzler zielte, nicht unterschrieben. Er war dann trotzdem in den von der Regierung im Juli 1933 unter erheblicher Propaganda gebildeten Generalrat der Wirtschaft berufen worden, in dem weitere 16 führende Unternehmer und Parteivertreter saßen - dieses Gremium erlangte jedoch keine praktische Bedeutung und trat nur ein Mal zusammen.

Literatur
In Memoriam - Carl Friedrich von Siemens. Siemens-Mitteilungen; H. 4, 1952
Georg Siemens: Der Weg der Elektrotechnik. Bd. 2; Alber, Freiburg / München 1961
Das Haus Siemens. Siemens & Halske AG, München 1961
Herbert Goetzeler, Lothar Schoen: Wilhelm und Carl Friedrich von Siemens. Steiner, Wiesbaden 1986

© Karl H. P. Bienek - Berlin 2001 - Stand: 22. November 2006


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