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U-Bahn in Siemensstadt
Schon im Jahre 1912 (nicht erst
1914, wie in Berichten dargestellt) wurden erste
Bauprojekte für eine U-Bahn nach Siemensstadt und der damaligen
Stadt Spandau mit einer Streckenführung ausgearbeitet, die der
gegenwärtigen weitgehend entspricht. Eine Notiz im Anzeiger
für das Havelland aus dem Jahre 1913 spiegelt den
Enthusiasmus für dieses neuartige Verkehrsmittel, mit dem man
insbesondere die entlegeneren Vororte mit der Reichshauptstadt Berlin verbinden
wollte:
"[...] Die Untergrundbahn wird wohl schon in nächster
Zeit von dem Charlottenburger Wilhelmsplatz [heute
Richard-Wagner-Platz] nach dem Nonnendamm [gemeint ist
die Nonnendammallee]
weitergeführt werden, wahrscheinlich zunächst bis zum neuen
Zentralverwaltungsgebäude [der Firma Siemens] am
Rohrdamm. Später soll die Untergrundbahn bis zum Kabelwerk in
Gartenfeld ausgebaut werden und dann einst über die
Oberhavel nach Spandau-Norden einmünden [...]" (siehe
Kartenausschnitte).
Durch den 1. Weltkrieg, durch die
nachfolgenden politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen, den
2. Weltkrieg verursacht, unterblieben weitere U-Bahn-Planungen.
Erst über vier Jahrzehnte später
begannen die Pläne Realität zu werden. Vorbereitende
Arbeiten hierzu waren die Verlängerung der Linie 7
vom U-Bahnhof Grenzallee nach dem Südosten Berlins im
Jahre 1959, und ab 1963 die Verlängerung vom U-Bahnhof Mehringdamm.
Zur Verkehrsanbindung der ab 1956 errichteten Siedlung
Charlottenburg-Nord und neuer
Wohnungsbauten im nunmehrigen Bezirk Spandau beschloss man, die Linie 7
vom heutigen Richard-Wagner-Platz ausgehend (wie damals geplant;
siehe Zitat oben), zu den Stadtteilen und Siedlungen in
Charlottenburg-Nord, Siemensstadt, Haselhorst
bis in die Spandauer Innenstadt zu führen. 1978 wurde der
U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz in die Verlängerung der
Linie
7 einbezogen, und davon ausgehend, führte man
die Strecke in nördliche Richtung weiter.
Der erste Rammschlag und die
vorbereitenden Leitungsarbeiten (noch auf
Charlottenburger Gebiet) für eine
vorerst 960 m lange Teilstrecke in Richtung Spandau erfolgte am
3. Juli 1968 im Bereich des Siemensdamm,
Heilmannring und Popitzweg.
Am 16. September 1975 erfolgte dann der erste Rammschlag an der Nonnendammallee,
Ecke Kapellensteig,
für den letzten Streckenabschnitt. Hier waren neben dem
Ramm-Polier Manfred Herzog, zahlreichen Bauarbeitern, Planern,
Schaulustigen und Offiziellen auch der damalige
BVG-Direktor Hans-Joachim Piefke (1921-2003) anwesend (BVG
ist die Abkürzung für Berliner Verkehrs-Betriebe). Zu
den Klängen der "Berliner Luft" erzitterte
hier der Erdboden, und die nachfolgenden Tunnelarbeiten
verursachten die ersten Bauschäden in den umliegenden
Gebäuden.
Am 1. Oktober 1980 wurden die
Siemensstädter U-Bahnhöfe Siemensdamm
und Rohrdamm
mit Volksfest, Musik und Quiz in Betrieb genommen; am 10. Oktober 1980, 14.05 Uhr startete der erste Zug von Siemensdamm.
Als besonderen Gag hatte sich Piefke in Schokolage aufgewogen,
die das damalige Hertie-Kaufhaus
in Siemensstadt für ein Kinderheim stiftete. Die Eröffnung aller nachfolgenden
Stationen bis zum Bahnhof Rathaus Spandau erfolgte am 1.
Oktober 1984. Damit hatte sich eine alte Spandauer Forderung zur
Einwilligung der Eingemeindung nach Berlin im Jahre 1920 erfüllt.
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Werbung der
Berliner Verkehrs-Betriebe (BVG)
für die neue U-Bahn-Linie
und für Siemensstadt
Bild: Spandauer Volksblatt;
28. September 1980 |
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Die Streckenlänge, beginnend am U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz, über die Bahnhöfe Mierendorfplatz,
Jungfernheide,
Jakob-Kaiser-Platz (Der Jakob-Kaiser-Platz selbst
diente damals als Unterquerungsmöglichkeit der Stadtautobahn
für Fußgänger.), Halemweg, Siemensdamm,
Rohrdamm bis Paulsternstraße
beträgt knapp 6 km (siehe S-Bahn).
Die Gesamtstreckenlänge der Linie 7
zwischen den Endbahnhöfen Rudow - Rathaus Spandau
beträgt 31,8 km (andere Quellen sprechen von 32,4 km; die
Fahrzeit beträgt nahezu 60 Minuten); sie ist damit die längste deutsche
U-Bahnlinie (das Berliner U-Bahnnetz ist 145 km lang). Mit 140
Millionen Mark pro Streckenkilometer ist die Verlängerung nach Spandau
der bisher teuerste U-Bahnbau Deutschlands.
Der Bau dieser neuen Strecke
erfolgte überwiegend in der "Berliner Bauweise", das
heißt mit offenen Baugruben. Die erforderliche
Grundwasserabsenkung wurde durch die Zufuhr des Wassers in
Anreicherungsbrunnen (vor allem im Bereich des Wasserwerkes
Jungfernheide) ausgeglichen. Der Westhafenkanal,
die Spree
und Havel wurden in Senkkastenbauweise unterquert. Die
weitgehend von Rainer Gerhard Rümmler
gestalteten U-Bahnhöfe (außer der Bahnhof Siemensdamm) der neuen Strecke
sind sehr aufwendig und individualisiert ausgestaltet: Jeder
dieser Bahnhöfe besitzt mit umgebungstypischen Motiven sein "persönliches Gesicht".
Die auf Siemensstädter Gebiet befindlichen U-Bahnhöfe werden
in den Stichwörtern U-Bahnhof
Siemensdamm, U-Bahnhof
Rohrdamm und U-Bahnhof-Paulsternstraße
ausführlich dargestellt.
| Der Bau der Berliner U-Bahn (eine
1930 eingeführte Abkürzung für Untergrundbahn;
siehe nachfolgend)
wurde im Jahre 1896 auf Initiative der Firma Siemens als
Hochbahnstrecke begonnen. Erste Entwürfe für
elektrische Hochbahnen in Berlin stammen noch von Werner von Siemens
(1816-1892) selbst, konnten aber auf Einspruch von
Hausbesitzern und anderen nicht realisiert werden (Werner
Siemens
errichtete daher 1881 in Groß-Lichterfelde bei Berlin eine elektrisch betriebene
Versuchsstrecke als Straßenbahn.).
Erst nach seinem Tode kam Anfang 1893 die behördliche
Zustimmung. Die Fortführung der
Arbeiten erfolgte durch die am 13. April 1897 von der
Deutschen Bank und Siemens & Halske gegründeten Gesellschaft für elektrische Hoch- und
Untergrund-Bahnen in Berlin. Am 15.
Februar 1902 konnte dann die erste, überwiegend als Hochbahn
und nur zum geringeren Teil als U-Bahn ausgeführte,
Strecke von der Station Warschauer Brücke bis
zum Knie
(heute Ernst-Reuter-Platz) mit einer Abzweigung
zum Potsdamer Platz eröffnet werden (die Stammstrecke).
Schon am ersten Tag wurden 17.000 Personen befördert. In kurzer Zeit folgten weitere Strecken
(1906 Knie - Wilhelms-Platz [Ernst-Reuter-Platz
- Richard-Wagner-Platz], 1908 Kaiserdamm -
Westend, 1926 Gleisdreieck
- Wittenbergplatz usw.). Im Jahre 1926 wurden
die Hoch- und U-Bahnen vom Berliner Magistrat aufgekauft
und 1928 mit den übrigen Öffentlichen
Verkehrsgesellschaften Berlins zur BVG
vereint (siehe auch Öffentliche
Verkehrsmittel in Siemensstadt). |
Literatur
Über das Werden der Siemensstadt. Anzeiger
für das Havelland; Nr. 178, 1. August 1913
Rainer W. During: Weit war der U-Bahn-Weg nach Spandau.
Spandauer Volksblatt; 28. September 1980
Karl H. P. Bienek: Siemensstädter Lexikon -
Wohnen in Siemensstadt. ERS, Berlin 1992
http://www.luise-berlin.de; 2002
© Karl H.
P. Bienek -
Berlin 2000 -
Stand: 19. Juli 2008 |